Berufswelten live erleben

Jugend am Ausbildungsbüfett

Quelle: Buxtehuder Tageblatt vom 07.06.2013

Bildinfo: Im Hotel Navigare hat Manager Andreas Möcker Pia Sumfleth (links) und Lena Eberstein in die Kunst des Bettenmachens eingeführt.

BUXTEHUDE. Bei der Buxtehuder Nacht der Ausbildung hatten Lena Eberstein und Pia Sumfleth aus Mittelnkirchen die Qual der Wahl. Überfüllt war es nämlich nicht gerade. Die beiden 14-jährigen Achtklässlerinnen konnten an den Stationen, die sie ansteuerten, also sehr individuell betreut werden.

20 Unternehmen sowie einige Verbände und Institutionen aus Buxtehude und Umgebung hatten sich an der zweiten Buxtehuder Nacht der Ausbildung am Donnerstag im Rahmen der Buxtehuder Bildungsoffensive (BBO) beteiligt und sich dabei einiges einfallen lassen.

 

Bildinfo: Lars Wilkens (28) informierte als Praktiker: Realschulabschluss, Ausbildung, Landmaschinenmechanikermeister mit nur 21 Jahren – und jetzt Mechatronik-Student.

So präsentierten sich Betriebe wie Synthopol-Chemie oder die Torfabrik Nassau Door mit Besichtigungen und Präsentationen vor Ort. In der Tischlerei Sieg in Ottensen konnte selbst praktisch Hand angelegt werden, und in der Pflegeschule der Elbe Kliniken mit dem „Age Man“ einem Alterssimulationsanzug, eine Selbsterfahrung in aktivierender Pflege absolviert werden.

Lena und Pia besuchten in der Hochschule21 zunächst den Stand der Polizei, die über Einstellungsvoraussetzungen und Studium informierte. Gerade Mädchen werden hier bewusst motiviert, sich zu bewerben. „Klingt interessant“, sagten die beiden nach dem Gespräch mit der Polizistin Maike Hesebeck. „Wir haben zwischen 15 und 18 Uhr nur etwa 14 junge Leute am Stand gehabt, aber die waren offenbar auch wirklich ernsthaft interessiert“, resümierte ihr Kollege Kay Dalchow.

Dass vielen engagierten Betrieben vergleichsweise wenige jungen Leute gegenüberstanden, ist allerdings symptomatisch für die aktuelle Situation am Ausbildungsmarkt. Sie dürfte sich auch noch zuspitzen, wie eine Ist-Analyse zum demografischen Wandel in der Region deutlich machte, die Professor Barbara Zimmermann von der Hochschule21 in einem Impulsreferat vorstellte.

„Weniger, älter und bunter“ – so werde die Gesellschaft in den nächsten Jahren und Jahrzehnten strukturiert sein; Betriebe müssten sich darauf einstellen dass es weniger Kinder gebe, Schulstandorte in der Region schließen müssten und folglich weniger junge Leute in Ausbildung gingen. Fachkräftemangel sei heute eine Top-Priorität bei vielen Unternehmen, berichtete auch Hochschulpräsident Martin Betzler. Hotelmanager Andreas Möcker vom Hotel „Navigare“ kann das nur bestätigen: „Diesmal haben wir gute Auszubildende gefunden, aber es wird schwieriger.“ In der Ausbildung geht es zur Sache, wie Lena und Pia beim Bettenmachen erfuhren. Unter anderem habe er die ersten drei Monate in der Spülküche gearbeitet, berichtete Möcker. Heute sagt er: „Es hat sich auf jeden Fall gelohnt.“